Elternzeit für Kühe: Vier-Jahreszeiten-Milch die erste mit neuem Tierschutzstandard

 

De Öko Melkburen setzen auf muttergebundene Kälberaufzucht

Auf den Milchviehbetrieben von De Öko Melkburen bleiben die Kälber jetzt grundsätzlich drei Monate bei ihren Müttern. Denn die drei Bio-Landwirte aus dem südlichen Schleswig-Holstein haben ihre Höfe auf muttergebundene Kälberaufzucht umgestellt. Ihre Vier-Jahreszeiten-Milch ist damit bundesweit die erste im Einzelhandel vermarktete Milch, die ausschließlich aus dieser Haltungsform stammt. Die Umstellung wird von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ begleitet. Mehr dazu unter diesem Link. Die Regionalwert AG Hamburg unterstützt das Projekt.

Wir bei naturkost nord konnten uns auf der bio.hamburg Messe vergangenes Wochenende bei De Öko Melkburen zur Umstellung auf die muttergebundene Kälberaufzucht informieren. Diese Umstellung zieht unter anderem eine Preiserhöhung mit sich, die nachvollziehbar ist und die wir sehr gerne unterstützen. Wir würden uns freuen, wenn dieses Thema auch bei weiteren Menschen Schule macht und wir mehr Kunden für diese Art der Tiehaltung begeistern können. Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an.

verkauf[at]naturkost-nord.de

Kommentare

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Sehr geehrte Damen und Herren,

das Projekt ist wirklich nachahmenswert und hoffentlich finden sich viele "Bauern" ("Landwirte"), die dieses Projekt nach ahmen. Jedoch habe ich zwei Fragen, die ich gern beantwortet hätte. Warum bleiben die Kälber nicht länger bei ihren Müttern? Drei Monate ist zwar außergewöhnlich lange, jedoch noch sehr kurz, denn auch nach drei Monaten trauern die Mütter noch um ihre Kinder. Was wird danach mit den Kälbchen, gehen sie in den Schlacht Hof? Ihre Kühe bleiben das ganze Jahr auf der Weide, so heißt es im Video. Das würde bedeuten, dass die Tiere auch bei Dauer Regen, Schnee, Glatt Eis permanent auf der Weide sind. Wie machen Sie das, damit Sie bei der Haltung dem Tierschutz gerecht werden?

Wir sind genau die Familie, die sich seit Jahren für bessere Tier Haltung einsetzt und dementsprechend, wenn möglich, auch auf diese Produkte zurück greift, allerdings müssen sie erschwinglich bleiben.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Projekt und würde mich über eine Antwort freuen.

Freundliche Grüße

Johanna Schwarzer

 

Sehr geehrter Frau Schwarzer,

Danke für Ihre Anfrage. Zu Ihren Fragen folgende Antworten:

Wirtschaftlich möchte der Mensch die Milch möglichst schnell von der Kuh bekommen. Daher greift er in der üblichen Praxis zur Trennung von Mutter und Kalb, um dem Kalb in den ersten Tagen nach der Geburt kontrollliert Muttermilch geben zu können. Die "überschüssige" Milch kann abgemolken werden. Genau das findet auch statt, wenn die Kälber bei der Kuh bleiben, nur das sich die vom Kalb abgesäugte Menge der Milch nicht kontrollieren lässt und daher geringere Mengen bei Menschen ankommen. Das wirkt sich im Preis aus, daher muss solch eine Milch auch mehr Geld  für den Kunden kosten.

Wichtig ist dabei aber zu wissen, dass Kälber naturbedingt bereits 10Tage nach der Geburt beginnen Heu/Gras zu fressen.  Mit Entwicklung des Gebissen steigen die Menge, so dass die Muttermilch nach ca. 3 Monaten nicht mehr für die Versorgung des Kalbes notwendig ist. Desweiteren ist eine Mutterkuh bereits nach drei Monaten wieder trächtig und braucht ihre Kräfte zur Versorgung des neuen Kalbes im Laib. Hormonell wird die Milchmenge der Mutterkuh geringer und jede zusätzliche Säugung belastet das Tier doppelt. Daher ist es auch ratsam im Sinne Kuhschutzes die Kälber von der Mutter zu trennen. Denn das Säugen ist für das Kalb nicht mehr aus Ernährungsgründen wichtig, sondern wenn noch zur Bindung an die Mutter und hier könne sie selber beobachten, dass Mutterkühe auch ihre Kälber wegtreten, weil ihnen die dauerhafte Versorgung das Kalbes lästig werden kann. Desweiteren achtet der Landwirt natürlich auf seine Wirtschaftlichkeit. Wenn er zu wenig Milch zur Vermarktung sowie zu sehr beanspruchte Mutterkühe hat, kann er überhaupt keinen Betrieb mehr führen.

Zur Haltung auf der Weide ist zu sagen, dass die Kuh ihre Wohfühltemeratur bei ca. +4°C hat und es ihr angenehm ist, bei normalen Wintertemperaturen draußen zu stehen. Wichtig ist die richtige Versorgung mit Futter im Winter, ein Windschutz in den sich die Tiere begeben können und soweit trockener Untergrund, dass die Hufe nicht permanent im Wasser stehen. Bitte denken sie z. B. an eine Reh, welches das ganze Jahr draußen ist und im Gegensatz zur Kuh so gut wie keine Fettreserven hat, aber so überlebt, ohne zu leiden. Eine gesunde Kuh fühlt sich draußen im Winter unter Umständen wohler als im geschlossenen Stall, dass Fell und die Fettreserven schützen das Tier völlig ausreichend. 

Ich hoffe Ihre Fragen umfassend beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Jan Timm

Sehr geehrter Herr Timm,

Ihr Kommentar war sehr interessant und nachvollziehbar für mich. Unsere Familie wohnt im Raum Hannover und wir konnten eine derartige Milch bislang noch nicht bekommen. Nun ist Seevetal ja nicht so weit weg und ich könnte mir vorstellen, dass diese Milch inzwischen den Weg in den Einzelhandel gefunden hat. Den angegebenen Link habe ich verfolgt - aber dabei handelt es sich ja offenbar um einen Großhandel.

Können Sie mir bitte mitteilen, wo ich im Raum Hannover diese Milch im EINZELhandel bekommen kann?

mit freundlichen Grüßen 

D. Langner

 

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Wir ermöglichen unseren Milchkühen auf dem   www.voelkleswaldhof.de in Baden Württemberg seit 17 Jahren Elternzeit. Es ist eine große Freude zu sehen wie positiv sich das auf unsere  Herde über Generationen hinweg ausgewirkt hat.

Wir bieten mehrmals im Jahr Praktikertage zur Muttergebundene Kälberaufzucht für interessierte Landwirte an.

Unsere Milch füllen wir in der hofeigenen Molkerei ab und wird mittlerweile in vielen Städten angeboten unter Völkleswaldhofer Vorzugsmilch!

 

Schön , dass es jetzt auch im Norden immer mehr Betribe werden , die ihren Kälbern eine wesensgerechtes leben ermöglichen!